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"Bei den Illustrationen handelt es sich um Studien zu Gedichten der jungen Lyrikerin Monika Rinck.
Es sind Original-Gouachen und handschriftliche Gedichte auf Büttenpapier. Von jedem Gedicht mit Gouache gibt es 30 numerierte und signierte Exemplare, die aber jeweils Unikate, also Originale sind.

sommer: das herz dieser stadt
schlägt nur noch alle vier stunden.
tollende hunde, ein weißer
wird elektro-holunder gerufen
während wir am überhitzten kühler lehnen
und rauchen, dreht sich der tag in
richtung des regens.

sommer
gefühle an fenstern

supplementäre sehnsucht findet dann statt
wenn sehnsucht dasjenige hinzufügt,
was auch der erfüllung, so es sie gäbe, fehlte.
wie abends am fenster im durchmischten licht
das unbekannte mit dem absoluten sich knüpft
und die ferne sich auflöst in weite. ich rufe:
>>ich will nichts von dem, was ich schon kenne!<<




ansonsten gibt es kalte einsamkeiten
so wie es in pariser restaurants kaltes huhn gibt.
gefühle an fenstern
diskrete rhapsodie

gegen den tag hat sich nur ein ding aufgerichtet
gegen das ding nur ein pferd
das pferd hat sich bloß dem himmel verpflichtet
der himmel dagegen dem stern
der stern war ein gadget aus himmeln verdichtet
sein licht eine nachricht
die aus anstand verzichtete lesbar zu sein
die aus anstand, aus anstand, aus aahanstand
verzichtete lesbar zu sein.
diskrete rhapsodie
pfingstrosen

In allen phasen der faltung nisten büschel,
geballte pakete, dicht, eng und stumm
hockt in knospen das drängen nach fetten
vermoddelten zentren in purpur oder weiß
wohnen rücken an rücken hinübergebogene blüten
auf krautigen stengeln und blühen sich rund.
Als es zu regnen begann und ich am halm
in meiner großen hand den schweren kopf
gehalten habe, zog kindheit in die feuchte luft,
spitze schreie, habenwollen, pfingstgelockt
zum hang geworden. Sehnsuchtsarten stiegen auf
und tauchten wieder ab. Wie ich das flüstern
ihrer vielen tausend blüten hörte, wollte ich
die regennasse rose strubbeln, knüllen, fleddern,
wollte ihr die blüten rupfen, um mich werfen
und zertreten, freunde rufen, kommt und schaut
das fette große blütending, was ich da hab
katzenkopfrund weiß und ohne augen, ich, ich,
ich will den katzenkopf, der keine katze ist
durchs irre rudel meiner wünsche treiben,
kaputtgemacht und angefaßt, nein unversehrt
laß‘ ich die hehren rosen reglos starr inmitten
jener bahnen stehn durch welche kindheit schnellt.
pfingstrosen